Concertino
Kleine Form mit großer Wirkung
Ein Concertino ist die charmante kleine Schwester des großen Konzerts – und hat es dennoch in sich. Der Begriff bezeichnet entweder eine verkürzte Konzertform oder ein Werk, das für einen solistischen Auftritt mit Begleitung gedacht ist. Besonders in der Klavierwelt spielt das Concertino eine wichtige Rolle – nicht nur auf der Konzertbühne, sondern auch in der Ausbildung junger Pianistinnen und Pianisten.
Woher kommt der Begriff „Concertino“?
Wussten Sie, dass „Concertino“ aus dem Italienischen stammt und so viel wie „kleines Konzert“ bedeutet? Die Ursprünge reichen zurück bis ins Barock, als Komponisten begannen, kontrastierende Gruppen innerhalb eines Konzerts gegenüberzustellen – das sogenannte Concerto grosso. Hier übernahm das Concertino die Rolle der kleinen Solistengruppe. Später wurde daraus die Bezeichnung für kürzere solistische Werke, die oft melodisch eingängig, technisch interessant und doch gut spielbar sind.
Einsatz in der Klavierliteratur
In der Welt des Klaviers begegnet uns das Concertino als eigenständiges Werk – oft für Klavier und Orchester oder Klavier und eine kleine Begleitgruppe geschrieben. Komponisten wie Carl Reinecke, Ferdinand Küchler oder Alexander Goedicke schufen Concertini, die speziell für den Unterricht oder Vorspiele gedacht waren.
Sie zeichnen sich häufig durch eine kompakte Form (meist 1 bis 3 Sätze), klare Melodieführung und pianistisch attraktive Passagen aus – ideal für Nachwuchstalente oder als kurzer Höhepunkt im Konzertprogramm.
Einsteigerfreundlich und publikumswirksam
Ein Concertino ist häufig technisch zugänglicher als ein klassisches Klavierkonzert. Trotzdem darf es musikalisch glänzen: virtuose Läufe, ausdrucksstarke Melodien und spielerische Dialoge mit der Begleitung machen es zu einem echten Erlebnis – sowohl für Spieler als auch Zuhörer.

Pädagogische Bedeutung
Concertini haben in der Musikpädagogik einen festen Platz. Sie ermöglichen es fortgeschrittenen Schülern, erste solistische Erfahrungen mit Begleitung zu sammeln, sei es durch ein zweites Klavier, Kammerensemble oder Orchester.
Lehrkräfte schätzen Concertini als Repertoirestücke, die technisches Können, Musikalität und Bühnenpräsenz gleichermaßen fördern. Besonders beliebt sind Werke, die gezielt für den Unterricht geschrieben wurden – mit motivierenden Inhalten und zugleich hohem künstlerischem Anspruch.
Historische Entwicklung
Während das Barock das Concertino als Gegenpart zum Tutti einführte, wurde es im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einer eigenständigen Werkform. In dieser Zeit entstanden viele Concertini mit pädagogischer Ausrichtung, aber auch Konzertstücke, die bewusst kürzer und zugänglicher sein sollten als ein voll auskomponiertes Konzert.
Heute erlebt das Format eine Renaissance – sowohl auf Bühnen als auch in Musikschulen. Der Trend geht wieder zu kürzeren, vielseitig einsetzbaren Werken, die auch in kleineren Besetzungen wirkungsvoll sind.
Klein, aber oho!
Ob als charmantes Repertoirestück im Konzert oder als Etappe auf dem Weg zum ersten Klavierkonzert – das Concertino begeistert mit kompaktem Format, musikalischer Vielfalt und emotionaler Tiefe. Für Pianistinnen und Pianisten, die mehr als nur Etüden spielen möchten, bietet es eine wunderbare Bühne, um sich solistisch auszuprobieren.